Xen, Hyper-V oder ESX – wer boxt sich durch?
Einigen Zeitgenossen stellt sich diese Frage wohl gar nicht erst. Für sie ist VMware EXS der Maßstab bei der Virtualisierung – und wird es auch auf absehbare Zeit bleiben. Für sie kommt Microsoft Hyper-V gar nicht erst in Frage, „ideal wenn man Virtualisierung nicht wirklich braucht“. Für sie ist Xen oder ein Open-Source-Programm nur ein unnötiges Risiko – in einem Markt, in dem die beiden Protagonisten schon durch ihre schiere Größe ein hohes Maß an Stabilität bei ihren Produkten erwarten lassen. Berücksichtigen muss man wohl auch die etwas konfuse Situation zwischen Citrix und Microsoft.
Und dennoch – wie bereits in einer früheren Ausgabe von IT Recovery News erwähnt, gibt es durchaus gute Gründe, sich Hyper-V genauer anzusehen – besonders den Preis. Und Citrix bietet mit seiner Xen-basierenden Suite eine End-to-end-Lösung, die außergewöhnlich kostengünstig ist.
Die neue Erkenntnis, Stand Dezember 2008: Alle drei Programme sind mittlerweile recht funktional; vor einem halben Jahr war das noch nicht so. Die beiden Verfolger haben nahezu aufgeschlossen, jedenfalls was die Basisfunktionen der Virtualisierung anbelangt. Hier ein kurzer Überblick:
VMware Infrastructure 3.5: Marktführer VMware glänzte Jahr für Jahr mit Innovationen. VMware bietet einfach alles, was man braucht: Performance, eine große Funktionspalette einschließlich Hochverfügbarkeit, Hot Switching, Unterstützung führender Speichertechnologien und Kompatibilität zu verschiedenen Anbietern von Netzwerk-Infrastrukturen, im Besonderen zu Cisco. Das gesamte Netzwerk von VMware aufzudröseln, würde den Rahmen dieser Publikation sprengen. Für große und geschäftskritische Installationen ist VMware nach wie vor das Referenzprodukt – nach wie vor ein Problem ist aber der Preis.
Microsoft Hyper-V: Erst seit drei Monaten auf dem Markt, und schon hat Hyper-V zu VMware aufgeschlossen, zumindest bei den Grundfunktionen. Die Performance hat sich verbessert, abgesehen von einigen kleinen Differenzen im I/O-Bereich. Hyper-V ist Bestandteil von Windows Server 2008 und damit preislich klar im Vorteil, auch wenn darüber noch diskutiert wird. Das Microsoft Programm beinhaltet DPM und Multipath I/O fürs Speicher-Management, Hochverfügbarkeit und die SCVMM Management Console, die die virtuellen Maschinen VI3 und Hyper-V unterstützt. Hot Switchover sucht man allerdings immer noch vergeblich; da kann es bei der Migration virtueller Server schon mal zu Verzögerungen kommen. Nicht so teuer, integriert in ein einziges Produkt (Windows Server 2008), ideal, wenn es nicht auf ein Höchstmaß an Verfügbarkeit ankommt: So könnte man die Microsoft Lösung zusammenfassen. Gerade bei kleinen und mittleren Betrieben – ein traditionell Windows-orientierter Markt – könnte Hyper-V durchaus VMware ausstechen.
Citrix XenServer: Vor zwei Jahren hat Citrix Xen Source übernommen, eine kommerzielle Fassung des Open-Source-Programms Xen. Mit XenServer 5.0 hat Citrix ein voll ausgestattetes und konkurrenzfähiges Produkt zu bieten: Hot Switching (XenMotion), Hochverfügbarkeit, verbesserter Support für Speicher-Infrastrukturen, einfachere Disaster-Recovery-Planung, Performance und eine bessere Management-Konsole (wenn auch einige Features noch fehlen). Das nächste Release von Workflow Studio soll die Lücken im Ressourcen-Management noch schließen. Citrix ist ja bekannt für seine Application-Delivery-Technologie, und in gewisser Weise zäumt Citrix das Pferd vom Schwanz auf: Haben die Kunden erst einmal ihre Anwendungen virtualisiert, verwenden sie auch Xen-basierende virtuelle Server.
Darf die Server-Virtualisierung mittlerweile als ausgereifte Technologie betrachtet werden, haben die Strategen schon das nächste Ziel im Visier: die Desktop- und Notebook-PCs. VMware hat hier einmal mehr die Führung übernommen – mit VMware View, einer Virtual Desktop Infrastructure (VDI) der nächsten Generation. VMware View ist ein universeller Client mit VDI, ThinApp (Anwendungs-Virtualisierung) und View Composer (Image Management für Desktop Systeme). Aber Microsoft und Citrix werden sich wohl nicht abhängen lassen: App-V von Microsoft und XenApp von Citrix werden die Verfolgung aufnehmen. Das Rennen um den Desktop hat wohl gerade erst begonnen. Dabei gilt es aber noch ein Hauptproblem zu lösen – nämlich das Backup und Restore virtueller System-Images auf dem PC des Anwenders.
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Darf es auch Hypervisor „lite“ sein?
Sowohl VMware als auch Microsoft bieten eine abgespeckte Version ihres Hypervisors, die weniger Plattenspeicher beansprucht – 32 MByte statt 2 GByte für den VMware ESXi Hypervisor. VMware erreicht die Volumenreduktion, in dem es auf die Konsole verzichtet. ESXi ist eine virtuelle Maschine, die auf einem Linux Micro-Kernel basiert. Sie hat bevorzugten Zugriff auf das VMFS-Dateisystem und den Hypervisor. Hyper-V verfolgt eine ähnliche Strategie, indem es einfach Windows Server 2008 weglässt. Und was sind die Vorteile? Schnellere Installation zum Beispiel, schnelleres Booten und mehr Sicherheit: Die Konsole als schwächstes Glied in der der Hypervisor-Sicherheitskette wurde eliminiert, damit wird das gesamte System weit weniger angreifbar. Dank seines geringen Speicherbedarfs kann der Hypervisor auch auf einem USB-Stick oder einem SSD-Speicher installiert werden. Einige Anbieter, zum Beispiel Dell, HP oder IBM, liefern ESXi schon mit ihren Servern. Ein Allheilmittel ist Hypervisor „lite“ allerdings auch nicht. Das Problem sind nicht die spartanischen Virtualisierungs-Features, sondern die fehlenden Management-Tools, was sich gerade bei umfangreicheren Installationen negativ bemerkbar machen dürfte. VMware hat bereits einen Script-basierenden Management-Layer mit Namen CIM entwickelt – bleibt halt die Frage nach der Kompatibilität zu anderen Anbietern.

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